Warschau, wir kommen!

Es ist endlich soweit. Ab ins Auto und schnell nach Bad Saarow. Dort ist unser Treffpunkt, von dem wir mit dem Gespann VW-Bus und „Skippi 650“ auf dem Trailer Richtung Warschau starten.

Genauer gesagt, es geht zu der ersten Europameisterschaft im Segeln in der Klasse „Skippi 650“ an den See „Zalew Zegrzyński“ in der Nähe von Warschau. Christian, Matthias und ich sind sehr gespannt auf die Reise. Schnell erreichen wir die „Autobahn der Freiheit“ A12 und stellen fest, dass wir mit wenig LKW-Verkehr zu tun haben werden. Die polnische Grenze an der Oder lassen wir vor der Abenddämmerung hinter uns und fahren nahtlos auf die neue A2, die den gleichen Namen trägt (polnisch) „Autostrada Wolności“. Vor uns liegen 480 Km neuer, sehr gut ausgebauter Autobahn, die streckenweise mit Maut zu befahren ist. Mit einem konstanten Tempo von 100 + auf dem Tacho, scheint der Punkt auf dem Navi-Display sich recht schnell zum Ziel hinzubewegen. Nach nur 5,5 Stunden Fahrzeit erreichen wir den Autobahnring bei Warschau. Jetzt nur noch die richtige Ausfahrt treffen und die restlichen 30 Km auf der Landstraße dürften auch zu bewältigen sein. Es ist mittlerweile 2 Uhr geworden aber wir sind hell wach. Die Vorfreude, bald das Hotel zu erreichen und entspannt nach dieser Reise ein Getränk zu genießen, überwiegt.
„Hotel 500“ ist in Sicht. Von weitem erkennen wir, am richtigen Ort zu sein. Viele Plakate und Fahnen kündigen den Event an. Jetzt noch das Gespann auf den Parkplatz und rein ins Hotel. Schnell und unkompliziert erhalten wir unsere Hotelkarten und können wir die Zimmer beziehen. „Ob noch jemand wach ist?“ Die Frage klärt sich sehr schnell von allein und wir stehen bald im Kreis uns bekannter, polnischer Segler. Es findet sich auch schnell ein Begrüßungsgetränk, das im entsprechenden Ambiente direkt am Wasser entspannt genossen werden kann.
VWSD 2015
Der erste Wettfahrttag beginnt nach einer kurzen Nacht mit einem sehr ausgiebigen Frühstück und einer Anmeldung für die Regatta. Wir stellen mit Wohlwollen fest, dass alles dem Rang der Regatta entsprechend sehr gut organisiert ist und eine interessante und hochrangige Segelveranstaltung verspricht. Wir segeln gegen ein deutsches und 15 polnische Skippis 650. Ein schönes Feld.
Nach dem Frühstück heißt es, zügig den Mast stellen und das Boot slippen. Von der Slippbahn kommen wir bei sehr leichtem Wind nur langsam voran. Der Start wird aber wegen des schwachen und drehenden Windes verschoben. Wir haben noch Zeit am Steg direkt vor dem Hotel anzulegen und die entspannte, hochsommerliche Atmosphäre zu genießen. Es gibt noch Zeit für das Fachsimpeln mit unseren polnischen Segelkammeraden. Der See füllt sich langsam mit allen möglichen Wassersportfahrzeugen und der strahlend blaue Himmel lässt die Temperatur steigen. Unsere Anspannung steigt auch allmählich in der Erwartung, dass es bald mit der Regatta losgeht.
Ja endlich, es scheint sich etwas zu bewegen in dem Skippi-Zirkus. Das Startschiff nimmt Fahrt auf und positioniert sich langsam am Startort. Bei den Skippis werden die Sponsorenflaggen niedergeholt. Die zahlreichen Zuschauer am Steg bekommen noch das Knistern der gerade gesetzten Segel zu hören und kurz darauf legt die bunte, farbenfrohe Skippi-Flotte Richtung Startschiff ab. Es dauert nicht mehr lang und wir hören das Ankündigungssignal für die erste Wettfahrt. Wir sind bereit. Drehender und schwacher Wind am Start lässt keine Überlegungen für Taktik zu, Glück ist heute im Spiel. Davon haben wir allerdings genug und landen auf dem dritten Platz. Grinsende Gesichter sind auf der GER 131 zu sehen. Weiter so… Leider bereitet der Wind einige Probleme und der Wettfahrtleiter kündigt eine neue Wettfahrt an, ohne den Crews die Chance zu geben, rechtzeitig an der Startlinie zu sein. Mit langen Gesichtern und ein wenig sauer auf den Wettfahrtleiter beenden wir die Wettfahrt als 11er. Danach folgen Plätze 3 und 6, die uns schließlich einen fünften Platz nach dem ersten Wettfahrttag bescheren. Ein schöner, hochsommerlicher Tag auf See mit sehr interessanten Wettfahrten geht langsam zu Ende. Am Ufer warten schon viele Zuschauer und Angehörige auf die Segelhelden. Es beginnt ein buntes und fröhliches Treiben am Steg, das durch die hohen Temperaturen und ausgelassene Stimmung zu kühlen Getränken verleitet. Die Hotelterrasse ist prall gefüllt mit Gästen und Aktiven, die den tollen Segeltag Revue passieren lassen.

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Die gute Stimmung und entspannte Atmosphäre werden zur späteren Stunde durch das Eröffnen des Büffets im Partyzelt noch verstärkt. Das leckere, zum Teil landesspezifische Essen und gut gekühlte Getränke lassen die langen Dankesreden gut aushalten. Die Tanzfläche wird frei gegeben und der DJ legt die ersten Stimmungsmacher auf. Die Party nimmt ihren Lauf. Die Segler machen natürlich auch eine gute Figur auf der Tanzfläche. Es wird spät…
Der nächste Tag beginnt, wie gewohnt, mit einem leckeren Frühstück auf der Hotelterrasse. Die Temperaturen reichen jetzt schon an die 25 ° Celsius. Leider stellen wir fest, dass die Blätter auf den Bäumen sich nicht bewegen. Es ist windstill und Startverschiebung an Land in die Folge. Eine gute Gelegenheit mit einigen Skippi-Seglern ins Gespräch zu kommen und sich über die Veranstaltung zu unterhalten. Alle sind sich einig: Organisation, Lokation und der Rahmen seien einer Europameisterschaft würdig. In Erwartung auf die Entscheidungen der Wettfahrtleitung beobachten wir vom Ufer, wie der See, die Badewanne der Warschauer, sich allmählich mit allen möglichen Booten füllt.
Mit 2 Stunden Verzögerung bekommen wir doch noch ein Signal zum Auslaufen. Die Startlinie ist nur einige Kabellängen von unserem Steg entfernt, so dass wir kurz danach das Ankündigungssignal für die erste Wattfahrt des Tages hören. Bei leichten und drehenden Winden wird das ganze Feld der Skippis ordentlich durchgewirbelt. Wir schlagen uns tapfer im ersten Drittel mit und können beobachten, wie die Favoriten ihrer Rolle gerecht werden. „Arfido“ und „Volvo Ocean Race“ kämpfen um den Titel. Die nächsten Wettfahrten sind mit Verlegen der Startlinie, der Bahn und mit Startverschiebungen verbunden und werden von sehr drehenden, leichten Winden geprägt. Wir beenden den Wettfahrttag mit einem ordentlichen fünften Platz und segeln recht zufrieden mit unserer Leistung schnellstmöglich zur Slippbahn. Das Aufslippen funktioniert mit Unterstützung eines sehr betagten aber absolut zuverlässigen „Ursus“-Traktors einwandfrei. Wir beeilen uns mit Mastlegen und Festmachen der „Rennziege“ auf dem Trailer, um die bevorstehende Siegerehrung in voller Länge mitzubekommen.
Die Siegerehrung kann nach leichter Verzögerung beginnen und die besten Crews werden auf das Treppchen gebeten. Wir können den Siegern der ersten Europameisterschaft zujubeln und den Jungs der „Arfido“ zum Gewinn des Titels gratulieren. Anschließend wird die sehr gut organisierte und mit 17 teilnehmenden Booten, sehr zahlreiche Regattaveranstaltung offiziell beendet. Wir verabschieden uns von unseren polnischen Segelkammeraden und sprechen ein dickes Dankeschön an die Drahtzieher des Events aus.
Vielen Dank Scandinavia, vielen Dank Marek!

Popov, GER 131

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